Osteopathie

Die Osteopathie zu definieren ist eigentlich nicht möglich, da sie viel mehr ist als eine reine manuelle Behandlungsform. Sie umfasst neben rein wissenschaftlichen Dimensionen auch die spirituelle und philosophische Ebene. Ebenso birgt die Osteopathie wichtige Aspekte, die sich jedem rein verstandesmäßigen Zugriff scheinbar magisch entziehen. Aber eben dieses Nicht-Konkretisierbare, Nicht-Festlegbare Element schafft erst diesen Freiraum, in dem die Wahrnehmung der Individualität und Gesamtpersönlichkeit eines einzelnen Patienten möglich wird.

Osteopathie in Still´s Sinne sollte nie nur als reine Medizinphilosophie oder ergänzende Methode betrachtet werden, sondern weit darüber hinaus als eine eigenständige, gelebte und praktizierte Weltanschauung.

Dies erfordert aber von Seiten des Behandlers nicht nur eine hohe Bereitschaft zur Selbstkritik, sondern auch den Mut zu einer intimen und damit unausgesprochenen Spritualität, eine zutiefst humanistische Grundüberzeugung und den Verzicht auf reißerische, den Personenkult fördernde Außendarstellung.

Osteopathie fordert aber auch das Entstehen und das Erleben einer in die Tiefe gehenden Beziehung zwischen Behandler und Therapeut, die in unserer schnell lebigen Zeit als eine neue Medizin erscheint. Für den Behandler erfordert dies eine Überwindung des schon fast unbewusst gelebten Hierarchie-Denkens. Und er muss sich in allen Ebenen auf Augenhöhe des Patienten begeben, sei es ein Greis oder ein Säugling. Ein wichtiger Grundsatz ist auch, das man den Patienten dort abholt, wo er sich gerade befindet und ihn so annimmt, wie er sich gerade präsentiert.
Zusammenfassend kann man sagen, dass von einem Behandler, der die klassische Osteopathie praktiziert, in vielen Dingen einiges abverlangt wird:

  • Kenntnisse in medizinischen Grundfächern, vorallem Anatomie
  • die Fähigkeit sich in das Gewebe ein zu spüren und es in seiner Individualität wahr zu nehmen
  • Wissendurst, gepaart mit einer ganzheitlichen Denkweise
  • das Akzeptieren des Spirituellen
  • und das bedingungslose Vertrauen in die Natur